Kleintierzüchterverein Z95 Leinfelden


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Über uns

Der Verein

Kleintierzucht in der Stadt

Die Struktur Leinfelden-Echterdingens hat sich in den letzten Jahrzehnten in eine Richtung entwickelt, bei der die Umgebungsbedingungen für die Kleintierzucht immer schwerer werden, wobei auch in weitaus ländlicher strukturierten Gebieten die Situation oftmals nicht viel anders ist.

Hier kommen mehrere Faktoren zusammen: Zum einen ist es vielen Interessenten nicht mehr möglich in immer kleiner werdenden Parzellen die Tiere am Haus zu halten, zum anderen geht jeder Tierhalter auch eine grosse Verpflichtung ein. Der Trend der Zeit geht dahin, sich möglichst nicht zu binden und unabhängig zu bleiben. Dies spiegelt sich in vielen Bereichen wieder, angefangen bei den vielen Single-Haushalten bis hin zur vertragsfreien Wahl eines Call-by-Call Providers.

Auch Nachbarn können einem Tierhalter einen Strich durch die Rechnung machen, und wenn sich hundert Nachbarn am Krähen eines Gockels erfreuen, so gibt es oft einen hunderteinsten, der zwar mit Auto- und Flugzeuglärm leben kann, der sich aber an diesem Krähen stört.

Kultur-Meile beim Stadtfest 25 Jahre L.-E.
Infostand und Tierschau des Kleintierzüchtervereins Leinfelden
fanden bei der Bevölkerung grossen Anklang

Glücklicherweise wurde dieser Trend rechtzeitig von unserem langjährigen Vorstand Rolf Mögle erkannt, und so machte sich der Verein bereits 1985 an den Bau einer Zuchtanlage. Ohne die Mithilfe der Stadt - die im Übrigen generell sehr viel für ihre Vereine tut - wäre dieses Vorhaben nicht realisierbar gewesen. Trotz einem hohen Eigenleistungsanteil der Mitglieder war der Bau wegen der hohen finanziellen Belastung für den Verein ein grosses Wagnis, vor allem da prognostiziert wurde, dass sich die Mitgliedersituation über kurz oder lang nicht positiv entwickeln würde.

Doch offensichtlich ging die Planung auf. Der Verein existiert heute immer noch und ist überaus aktiv, die zwischenzeitlich komplett fertiggestellte Zuchtanlage in Oberaichen ist voll belegt und ermöglicht vielen Züchtern die Haltung und Zucht der Tiere in einer Umgebung, in der sich niemand an den Tieren stört. Zudem ist der Verein seit diesem Jahr schuldenfrei.

Bestimmt wäre ohne das damalige Wagnis zum Bau der Zuchtanlage auch die Vereinsentwicklung weitaus negativer verlaufen. Zu bedauern ist, dass ein grosser Teil unserer wunderschönen Tiere nun etwas versteckt gehalten wird und wir nur noch bei unseren Veranstaltungen Gelegenheit haben den Kontakt zur Bevölkerung herzustellen. Ein sehr schneller Wandel, denn noch vor wenigen Jahrzehnten gehörten Hühner, Tauben, Gänse, Enten und Kaninchen zum alltäglichen Bild unserer Städte und Dörfer.

Für Kinder ist es ein grosser Gewinn,
wenn Sie nicht nur mit Spieltieren aufwachsen

Auch wenn wir sehr viel Kraft in die Werbung neuer Mitglieder - vor allem jugendlicher Mitglieder - stecken müssen, so ist im Moment eher ein Aufwärts- als ein Abwärtstrend zu verspüren. Weitaus pessimistischer war man noch vor 15 Jahren beim 60-jährigen Jubiläum, nachdem die gerade herangeführten Jugendlichen eigene Wege gingen.

So war in der Festschrift zu lesen: "Unser Verein hat z.Z. 6 Jugendliche. Wir bemühen uns ständig, diese Zahl zu erhöhen, indem wir neue Jugendliche anwerben. Bisher waren unsere Erfolge nicht überwältigend. Meist sind unsere Jugendliche Söhne und Töchter von aktiven Züchtern, die aber nur solange bei der Sache sind, bis sie sich anderen Interessen zuwenden. Ein Neuzeitproblem mit dem sich der Verein abfinden muss".

Genau aus diesen "abtrünnigen" Jugendlichen bildet sich heute zu drei Vierteln die Vorstandschaft. An alle die sich in ähnlicher Resignationsstimmung befinden deshalb an dieser Stelle der Aufruf nicht aufzugeben und weiterhin auf die Jugendarbeit zu setzen - es lohnt sich.

Glauben wir dem amerikanischen Zukunftsforscher John Naisbitt die These "Je höher der Grad der Technisierung - desto grösser der Drang des Menschen zur Natur", so müssten wir in den nächsten Jahrzehnten unsere Mitglieder aus vollen Töpfen schöpfen? Wir werden sehen und beim 100-jährigen Jubiläum darüber berichten.

1969, bei der 700-Jahr-Feier von Leinfelden.
Das Bild zeigt die heutigen Vorsitzenden, die bereits vor 33 Jahren
mit vereinten Kräften den Karren in die richtige Richtung gelenkt haben.
Das zeigt, wie wichtig Jugendarbeit ist.
Links Jugendleiter Willi Nass †


Sinn und Ziele des Vereins

Oft werden wir als diejenigen dargestellt, die sich Sonntags treffen, um zu schauen wer den schönsten Gockel hat. Ganz so ist es nicht. Natürlich züchten wir Rassetiere, die einem Rassebild möglichst nahe kommen sollen, was in einer Bewertung ausgedrückt wird.

Im Vordergrund steht aber immer die Freude am Tier.

Viele übersehen dabei, dass wir Kleintierzüchter seit vielen Jahrzehnten zur Erhaltung der Rassen beitragen, darunter auch viele ehemalige Wirtschaftsrassen. Nehmen wir als Beispiel Hühnerrassen, die noch vor Jahrzehnten dank ihrer Legeleistung der Stolz jeder eiproduzierenden Hühnerfarm waren - sie haben gegen die heutigen Hybrid-Legehennen im wirtschaftlichem Umfeld keine Chance mehr. Unsere Hühnerzüchter freuen sich auch über weniger wirtschaftlichen Eiersegen, es gilt Qualität vor Quantität. Wir wissen was wir füttern und laben uns am Anblick selbstgemachter Spätzle, die so gelb leuchten als wäre eine halbe Schiffsladung Safran darin.

Die Rassenvielfalt, die sich im Lauf der letzten Jahrhunderte entwickelt hat, ist ein Stück unserer Kulturgeschichte und wird von Kleintierzüchtern gepflegt und bewahrt.

Durch die Rassezucht halten wir ein riesiges und sauber getrenntes Genpotential vor. Hier lassen sich schon fast Vergleiche zur Open-Source-Gemeinde in der Computerbranche ziehen, wo viele tausende Entwickler den Fortschritt an gemeinsamen Produkten vorantreiben, die dann der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Auch unsere weit verteilten Züchter arbeiten an den verschiedenen Rassen, um sich deren Wunschmerkmale möglichst dicht zu nähern.

Würden wir dieses Genpotential nicht vorhalten, so würde diese Aufgabe dem Staat zufallen.

Und das hiesse erhebliche Kosten, die von der Allgemeinheit getragen werden müssten.
Während noch vor wenigen Jahrzehnten Geflügel und Kaninchen zum Ortsbild gehörten, entfernen wir uns heute immer weiter davon. So kann man immer wieder feststellen, dass einfache Grundkenntnisse der Bevölkerung über Tier, Landwirtschaft und Nahrung oftmals in erschreckender Weise fehlen. Würde eine PISA-ähnliche Studie in diesem Bereich erstellt werden, wäre uns hier vermutlich ein Platz auf dem Mond sicher. Sicherlich eine Folge davon, dass unsere heutige Nahrung fachgerecht in bunten Kartons in den Regalen der Supermärkte vorgekaut wird. Der Trend der breiten Meinung scheint dorthin zu gehen, dass Tiere in der Zoohandlung gekauft werden, und Fleisch gibt es - in anonyme Stücke zerlegt - beim Metzger.

Heimischer Herd ist Goldeswert
vor allem wenn frisch gelegte Eier zu Köstlichkeiten werden

Deshalb ist es nicht nur unserem Verein Leinfelden ein besonderes Anliegen keine Möglichkeit auszulassen, die Öffentlichkeit an unsere Tiere heranzuführen und den Dialog mit der Bevölkerung zu suchen. Wir wollen aufklären, und um Verständnis für Tiere und Tierhalter werben.

Familien stellen den grossen Teil unserer Gäste bei den Veranstaltungen dar,
deshalb ist uns Familienfreundlichkeit ein weiteres grosses Anliegen.

Wir versuchen bei unseren Veranstaltungen familienfreundlich zu planen. Familienfreundlich bedeutet hier eine moderate Preisgestaltung und eine Präsentation, bei der auch die "Minis" etwas sehen, oder sogar streicheln können. Dies scheint nicht immer eine Selbstverständlichkeit zu sein.

So haben wir uns in der Vergangenheit durch moderate Preisgestaltung doch schon Ärger mit ,Mitbewerbern" eingehandelt. Kommerzialisiert wird heute schon genug, wir als kleiner Verein freuen uns über zufriedene Gäste, die im nächsten Jahr wiederkommen...

...und natürlich über neue Mitglieder, die zu genauso moderaten Beiträgen unseren Verein aktiv oder passiv unterstützen. Sollten wir nun Ihr Interesse geweckt haben, oder es noch im Laufe dieser Jubiläumsschrift noch wecken, so zögern Sie nicht uns anzusprechen. Wir haben für alles, besonders für Sie, ein offenes Ohr.

Die grössten und die kleinsten Kaninchen in einer Reihe
extra niedriger Aufbauf für Kids bei der Jungtierschau


Frauengruppe

Die Frauengruppe des Kleintierzüchtervereins Leinfelden war im Kreisverband "Obere Filder" die erste Frauengruppe und ist 1972 entstanden.

Frau Inge Lederer wurde damals zur Leiterin gewählt und war in dieser Funktion bis zur Auflösung der Gruppe tätig.

Bis zum Jahr 1986 nahm sie auch die Geschäfte als Kreisfrauengruppenleiterin wahr. Am 1. August 1982 feierte unsere Frauengruppe in der Mäulesmühle ihr 10-jähriges Bestehen.

Faschingfeier der Frauengruppe
in der Gaststätte zum Bahnhof, ca. 1974

Die Aufgaben und Tätigkeit unserer Frauen bestand vorwiegend in der Verarbeitung von Fellen, nähen und anfertigen von Pelztieren, die bei der Kreis- oder Lokalschau unseren Gästen zum Kauf angeboten wurden.

Zu späterer Zeit war man davon abgekommen, da die Nachfrage immer mehr rückläufig war. Nachdem noch einige Jahre sich die Frauen bemühten, für die Tombola wertvolle Gewinne anzufertigen, wurde die Gruppe dann 1988 aufgelöst.

Nach wie vor sind unsere Frauen für den Verein eine Bereicherung und in vielen Dingen eine unverzichtbare Stütze, ohne deren Mithilfe vieles undenkbar wäre.

Obwohl drei Enkel ihre Zeit in Anspruch nehmen,
züchtet Inge Lederer noch Cayuga Enten


Geflügellastig

Unsere Mitglieder stehen hinter der gemeinsamen Sache, das hat das Ergebnis der Jubiläumsschau gezeigt. Leider mussten in der letzten Zeit sehr aktive Kaninchenzüchter aus gesundheitlichen Gründen zurückstecken, somit sind in dieser Sparte für die Zukunft sicher einige Wünsche offen, auch wenn die verbleibenden Kaninchenzüchter hervorragende Ergebnisse nach Hause bringen.

Für einen kleineren Verein sind wir im Moment mit drei Gänse- und fünf Entenrassen unverhältnismässig stark im Wassergeflügel vertreten, das man leider nur noch selten auf lokalen Ausstellungen antrifft.

Um in der Sparte Geflügel unsere Mitglieder zu stärken, haben wir uns dieses Jahr kurzentschlossen einen gut dimensionierten, computergesteuerten Brutapparat angeschafft.

Wir hoffen, dass dadurch die Bindung zwischen unseren Züchtern und Ihrem Hobby noch enger wird und sind überzeugt davon, damit wieder einen kleinen Stein für die Zukunftssicherung des Vereins gesetzt zu haben. Wenige Wochen nach der Aufstellung tummelten sich auch schon die ersten Hühnerküken unter den Rotlichtlampen.

Durch den neuen Brutapparat haben Leinfelder Eier
nun gute Chancen, in ein hübsches Küken verwandelt zu werden.

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