Kleintierzüchterverein Z95 Leinfelden


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Anektode

Der Verein

Die Welt kann so einfach sein

Die folgende Anekdote ist eine tatsächliche Begebenheit und so wahr, wie unser Verein in im Jahr 2002 75 Jahre alt wurde.

Ein guter Bekannter und langjähriger Geschäftspartner heiratete und lud uns zur Hochzeit ein. Da diese ein ganzes Stück entfernt stattfand, stellte meine Frau die Versorgung von Tieren und Kind sicher, und ich fuhr stellvertretend für die Familie zur Hochzeit.

Wie üblich, ging es nach der kirchlichen Hochzeits-Zeremonie zum Festmahl. Dort waren die Platzkarten mit viel Überlegung aufgestellt worden - dadurch wurde ich mit anderen langjährigen Geschäftspartnern von Braut und Bräutigam an einen Tisch gesetzt: Neben mir ein Manager einer bedeutenden Firma im Süden Deutschlands, gegenüber eine Psychotherapeutin.

Die beiden kamen auch sehr schnell ins Gespräch und hatten es von Grossraumbüros und unwirklichen Arbeitsbedingungen und wie gegen unwirkliche Arbeitsbedingungen angegangen werden kann. Als dann die Suppe serviert wurde, berichtete die Psychotherapeutin bereits mehrere Seminare für Manager veranstaltet zu haben, und dieser Themenkomplex sollte nun die nächste Stunde füllen.

Ich war zwangsläufiger, aber interessierter Zuhörer, denn das grosse Ausmass an Seminararbeit, das von einem hochkarätigen Manager in der heutigen Zeit bewältigt werden muss, war mir bis dahin nicht in dem Maße bewusst. Das Gespräch zwischen den beiden wurde immer lockerer.

Der Manager berichtete von absolvierten Seminaren, die dazu dienen sollten das Vertrauen wiederzuerlangen, indem sich Manager mit verbundenen Augen rückwärts in die Arme der anderen Seminarteilnehmer fallen lassen, Seminare zur Wiedererlangung des Selbstbewusstseins, Seminare zur Wahrnehmung von Dingen, Seminare, Seminare, Seminare... Je länger das Gespräch dauerte, desto tiefgründiger wurden die Seminare. Nach soviel Seminaren war es auch nicht verwunderlich, dass es den Manager jedes Jahr zur Osterzeit in ein Benediktiner-Kloster zog, um eine Woche fastend und schweigend seine innere Ruhe wiederzufinden.

Irgendwann, es muss so kurz nach dem Dessert gewesen sein, war dieses Thema genügend diskutiert und die Psychotherapeutin suchte ein neues Opfer. Dabei fiel ihr Blick auf mich. Sie fragte, was ich denn so machen würde. Ich erklärte ihr, ich sei in der Computerbranche tätig. Nun holte sie aus und fragte mich was ich an meinem Leben anders machen würde, wenn ich es nochmal leben könnte.

Hmmm, antwortete ich nach kurzer Bedenkzeit, ich bin eigentlich ganz zufrieden so wie es ist. Nein, konterte sie sofort, ich würde ausweichen, ich solle nochmal kurz darüber nachdenken und ihr dann sagen was ich ändern würde. Ich versicherte ihr nochmals, dass ich nicht unbedingt etwas ändern müsste. Nun nahm sie mich richtig in die Mangel und warf mir vor, nicht offen und ehrlich ihr gegenüber zu sein.

Ich versicherte ihr nochmals, dass ich momentan eigentlich ganz zufrieden wäre und begründete diesen Standpunkt auch: ,Zwei Stunden habe ich nun zugehört, von unwirklichen Arbeitsbedingungen, Stressbewältigung und Seminaren erfahren. Diese zwei Stunden haben mich in der Meinung bestärkt, dass es mir eigentlich ganz gut geht. Stress habe ich zwar auch, aber wenn ich aus dem Fenster meines Büros schaue, ist es draussen grün.

Das Gelände wird von meinen Gänsen bewacht, an deren Anblick ich mich erfreue. Droht mir der Stress-Kollaps an meinem Arbeitsplatz, dann gehe ich hinaus, nehme meine Gänse, marschiere mit der Truppe zum Bach, der an mein Grundstück grenzt, setze mich dort ins Gras und schaue den Gänsen 20 Minuten beim Baden im glitzernden Wasser zu. Spätestens dann geht es mir wieder gut".

Tja, so einfach kann die Welt sein!

Nach diesen Ausführungen starrten mich zwei völlig verdutzte Gesichter an, die dreinschauten als ob ich gerade das Perpetuum mobile präsentiert hätte. Nach meinem Gefühl wären beide am liebsten losgezogen, um sich Gänse und einen Bach zu besorgen. Das war bestimmt nicht der Fall, aber ich bin mir fast sicher, dass Teile meiner Bekenntnis kurz darauf in ein Seminar umgesetzt wurden.
©2002 ml

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